Dieselbe KI liefert je nach Prompt völlig verschiedene Ergebnisse. Das ist die gute Nachricht, denn diesen Teil hast du in der Hand. Die schlechte: Die meisten schrauben an der falschen Stelle, nämlich an der Länge.
Die vier Bausteine
Ein brauchbarer Prompt gibt der KI vier Dinge. Fehlt einer, muss sie raten.
| Baustein | Was er klärt | Beispiel |
|---|---|---|
| Rolle | Aus welcher Perspektive und mit welchem Wortschatz | Du bist eine Hebamme mit 15 Jahren Erfahrung |
| Kontext | Für wen, in welcher Situation, was gilt | Für Erstschwangere im dritten Trimester, die unsicher sind |
| Aufgabe | Was genau entstehen soll | Schreibe drei Absätze über Anzeichen für den Geburtsbeginn |
| Format | Wie das Ergebnis aussehen muss | Fließtext, du-Ansprache, keine Aufzählungen, max. 200 Wörter |
Die Vorlage
Die letzten beiden Zeilen sind der Teil, den fast alle weglassen und der am meisten bringt. Die Nachfrage-Regel verhindert erfundene Fakten. Die Plan-Regel zeigt dir vorher, ob die KI dich verstanden hat, statt dass du hinterher ein fertiges, falsches Ergebnis wegwirfst.
Die häufigsten Fehler
Adjektive statt Vorgaben
Schreib locker und persönlich bedeutet für die KI nichts Überprüfbares. Kurze Sätze, du-Ansprache, keine Fachbegriffe ohne Erklärung schon.
Länge mit Präzision verwechseln
Drei klare Vorgaben schlagen zwanzig vage. Zu viel Kontext verwässert die eigentliche Aufgabe, weil das Modell nicht mehr erkennt, was wichtig ist.
Eine Rolle geben, die nichts ändert
Du bist ein hilfreicher Assistent ist die Voreinstellung und damit wirkungslos. Eine Rolle lohnt sich nur, wenn sie Wortschatz oder Perspektive verschiebt.
Kein Beispiel mitgeben
Ein einziges Beispiel für das gewünschte Ergebnis wirkt oft stärker als drei Absätze Beschreibung. Zeigen schlägt beschreiben.
Bei Fehlschlag alles neu schreiben
Sag stattdessen konkret, was nicht stimmt: zu werblich, dritter Absatz überflüssig, Beispiel passt nicht zur Zielgruppe. Das ist schneller und zeigt dir, was gefehlt hat.
Prompt bauen oder verbessern lassen
Beschreib deine Aufgabe und bekomme einen fertigen Prompt. Oder füge deinen bestehenden ein und lass ihn stärker machen. Beides kostenlos, ohne Anmeldung.
Zum Prompt-GeneratorEin durchgerechnetes Beispiel
Nimm eine ganz normale Aufgabe: ein Text für deine Angebotsseite. So fragen die meisten:
Die KI hat hier vier Probleme. Sie weiß nicht, was du anbietest, für wen, was locker bei dir heißt und wie lang das Ergebnis sein soll. Sie wird raten, und zwar in Richtung Durchschnitt. Derselbe Auftrag mit den vier Bausteinen:
Der zweite Prompt ist länger, aber nicht wegen der Länge besser. Jeder zusätzliche Satz beantwortet eine Frage, die die KI sonst selbst beantwortet hätte. Genau das ist der Unterschied zwischen lang und präzise.
Nachbessern statt neu schreiben
Wenn das Ergebnis nicht passt, fangen die meisten von vorn an. Das ist der teuerste Weg. Sag stattdessen genau, was nicht stimmt. Diese Formulierungen funktionieren zuverlässig:
| Was dich stört | Was du sagst |
|---|---|
| Klingt werblich | Streich alle Versprechen und Superlative. Beschreibe nur, was tatsächlich passiert. |
| Zu allgemein | Ersetze jede allgemeine Aussage durch ein konkretes Beispiel aus meinem Kontext. |
| Falscher Ton | Zu formell. Schreib so, wie ich es einer Kundin am Telefon erklären würde. |
| Zu lang | Kürze auf die Hälfte, ohne Inhalt zu streichen. Nur straffen. |
| Fast richtig | Absatz zwei passt. Schreib nur eins und drei neu, im selben Ton wie zwei. |
Der letzte Fall ist der wichtigste. Wenn etwas schon funktioniert, sag es. Sonst wirft die KI beim nächsten Versuch genau den guten Teil weg.
Was du nur einmal schreiben musst
Ein Teil deines Prompts ist bei jedem Auftrag gleich: wer du bist, für wen du arbeitest, wie du klingst, was tabu ist. Genau dieser Teil gehört nicht in den Prompt, sondern in eine feste Datei, die du voranstellst.
Ab dann besteht dein eigentlicher Prompt nur noch aus Aufgabe und Format, also zwei Zeilen. Das ist der Punkt, an dem Prompten aufhört, Arbeit zu sein. Mehr dazu in warum ChatGPT alles vergisst und in warum KI-Texte nicht nach dir klingen.
Den festen Teil einmal festhalten
Der Kontext-Datei-Generator baut dir die Datei, die du künftig jedem Auftrag voranstellst. Läuft lokal im Browser.
Zum Kontext-Datei-GeneratorHäufige Fragen
Vier Bausteine: eine klare Rolle, der nötige Kontext, eine konkrete Aufgabe und das gewünschte Format. Fehlt einer davon, muss die KI raten, und das Ergebnis wird beliebig.
Nein. Präziser ist besser, nicht länger. Ein Prompt mit drei konkreten Vorgaben schlägt einen mit zwanzig vagen Adjektiven. Zu viel Kontext verwässert sogar die eigentliche Aufgabe.
Ja, wenn die Rolle etwas ändert. Du bist ein erfahrener Steuerberater verschiebt den Wortschatz und die Perspektive spürbar. Du bist ein hilfreicher Assistent bringt dagegen nichts, das ist die Voreinstellung.
Sehr viel. Ein einziges Beispiel für das gewünschte Ergebnis wirkt oft stärker als drei Absätze Beschreibung. Zeigen schlägt beschreiben.
Sprachmodelle arbeiten mit Zufallsanteil, damit die Antworten nicht mechanisch wirken. Je präziser dein Prompt, desto kleiner die Schwankung.
Nicht den ganzen Prompt neu schreiben, sondern gezielt nachbessern: sag konkret, was am Ergebnis nicht stimmt und was stattdessen sein soll. Das ist schneller und lehrt dich, was wirklich fehlte.
