Handwerk

Guter Prompt: Aufbau, Vorlage und die häufigsten Fehler

Von Timon Mann · 19. Juli 2026 · 8 Minuten Lesezeit

Dieselbe KI liefert je nach Prompt völlig verschiedene Ergebnisse. Das ist die gute Nachricht, denn diesen Teil hast du in der Hand. Die schlechte: Die meisten schrauben an der falschen Stelle, nämlich an der Länge.

Die vier Bausteine

Ein brauchbarer Prompt gibt der KI vier Dinge. Fehlt einer, muss sie raten.

BausteinWas er klärtBeispiel
RolleAus welcher Perspektive und mit welchem WortschatzDu bist eine Hebamme mit 15 Jahren Erfahrung
KontextFür wen, in welcher Situation, was giltFür Erstschwangere im dritten Trimester, die unsicher sind
AufgabeWas genau entstehen sollSchreibe drei Absätze über Anzeichen für den Geburtsbeginn
FormatWie das Ergebnis aussehen mussFließtext, du-Ansprache, keine Aufzählungen, max. 200 Wörter

Die Vorlage

Vorlage zum KopierenDu bist [ROLLE mit konkreter Erfahrung]. Kontext: [Für wen, in welcher Situation, was ist wichtig zu wissen] Aufgabe: [Was genau soll entstehen] Format: [Länge, Ton, Ansprache, Struktur, was vermieden werden soll] Wenn dir eine Angabe fehlt, frag nach, statt sie zu erfinden. Erkläre mir vor der Umsetzung in ein bis zwei Sätzen deinen Plan.

Die letzten beiden Zeilen sind der Teil, den fast alle weglassen und der am meisten bringt. Die Nachfrage-Regel verhindert erfundene Fakten. Die Plan-Regel zeigt dir vorher, ob die KI dich verstanden hat, statt dass du hinterher ein fertiges, falsches Ergebnis wegwirfst.

Die häufigsten Fehler

  1. Adjektive statt Vorgaben

    Schreib locker und persönlich bedeutet für die KI nichts Überprüfbares. Kurze Sätze, du-Ansprache, keine Fachbegriffe ohne Erklärung schon.

  2. Länge mit Präzision verwechseln

    Drei klare Vorgaben schlagen zwanzig vage. Zu viel Kontext verwässert die eigentliche Aufgabe, weil das Modell nicht mehr erkennt, was wichtig ist.

  3. Eine Rolle geben, die nichts ändert

    Du bist ein hilfreicher Assistent ist die Voreinstellung und damit wirkungslos. Eine Rolle lohnt sich nur, wenn sie Wortschatz oder Perspektive verschiebt.

  4. Kein Beispiel mitgeben

    Ein einziges Beispiel für das gewünschte Ergebnis wirkt oft stärker als drei Absätze Beschreibung. Zeigen schlägt beschreiben.

  5. Bei Fehlschlag alles neu schreiben

    Sag stattdessen konkret, was nicht stimmt: zu werblich, dritter Absatz überflüssig, Beispiel passt nicht zur Zielgruppe. Das ist schneller und zeigt dir, was gefehlt hat.

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Ein durchgerechnetes Beispiel

Nimm eine ganz normale Aufgabe: ein Text für deine Angebotsseite. So fragen die meisten:

So nichtSchreib mir einen guten Text für meine Angebotsseite. Locker und persönlich, aber professionell. Soll überzeugen.

Die KI hat hier vier Probleme. Sie weiß nicht, was du anbietest, für wen, was locker bei dir heißt und wie lang das Ergebnis sein soll. Sie wird raten, und zwar in Richtung Durchschnitt. Derselbe Auftrag mit den vier Bausteinen:

So schonDu bist Texterin und schreibst seit Jahren für Einzelunternehmer. Kontext: Ich biete Ernährungsberatung für Berufstätige mit wenig Zeit an. Meine Kunden haben meist schon zwei Diäten hinter sich und sind skeptisch. Ich verspreche keine schnellen Ergebnisse und will nicht wie ein Coach klingen. Aufgabe: Schreibe den Einstiegstext meiner Angebotsseite, drei Absätze. Er soll die Skepsis benennen, bevor er das Angebot beschreibt. Format: Du-Ansprache, kurze Sätze, keine Aufzählungen, keine Superlative, keine Fragen an den Leser. Maximal 180 Wörter. Wenn dir eine Angabe fehlt, frag nach, statt sie zu erfinden.

Der zweite Prompt ist länger, aber nicht wegen der Länge besser. Jeder zusätzliche Satz beantwortet eine Frage, die die KI sonst selbst beantwortet hätte. Genau das ist der Unterschied zwischen lang und präzise.

Nachbessern statt neu schreiben

Wenn das Ergebnis nicht passt, fangen die meisten von vorn an. Das ist der teuerste Weg. Sag stattdessen genau, was nicht stimmt. Diese Formulierungen funktionieren zuverlässig:

Was dich störtWas du sagst
Klingt werblichStreich alle Versprechen und Superlative. Beschreibe nur, was tatsächlich passiert.
Zu allgemeinErsetze jede allgemeine Aussage durch ein konkretes Beispiel aus meinem Kontext.
Falscher TonZu formell. Schreib so, wie ich es einer Kundin am Telefon erklären würde.
Zu langKürze auf die Hälfte, ohne Inhalt zu streichen. Nur straffen.
Fast richtigAbsatz zwei passt. Schreib nur eins und drei neu, im selben Ton wie zwei.

Der letzte Fall ist der wichtigste. Wenn etwas schon funktioniert, sag es. Sonst wirft die KI beim nächsten Versuch genau den guten Teil weg.

Was du nur einmal schreiben musst

Ein Teil deines Prompts ist bei jedem Auftrag gleich: wer du bist, für wen du arbeitest, wie du klingst, was tabu ist. Genau dieser Teil gehört nicht in den Prompt, sondern in eine feste Datei, die du voranstellst.

Ab dann besteht dein eigentlicher Prompt nur noch aus Aufgabe und Format, also zwei Zeilen. Das ist der Punkt, an dem Prompten aufhört, Arbeit zu sein. Mehr dazu in warum ChatGPT alles vergisst und in warum KI-Texte nicht nach dir klingen.

Den festen Teil einmal festhalten

Der Kontext-Datei-Generator baut dir die Datei, die du künftig jedem Auftrag voranstellst. Läuft lokal im Browser.

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Häufige Fragen

Was macht einen guten Prompt aus?

Vier Bausteine: eine klare Rolle, der nötige Kontext, eine konkrete Aufgabe und das gewünschte Format. Fehlt einer davon, muss die KI raten, und das Ergebnis wird beliebig.

Sind längere Prompts immer besser?

Nein. Präziser ist besser, nicht länger. Ein Prompt mit drei konkreten Vorgaben schlägt einen mit zwanzig vagen Adjektiven. Zu viel Kontext verwässert sogar die eigentliche Aufgabe.

Soll ich der KI eine Rolle geben?

Ja, wenn die Rolle etwas ändert. Du bist ein erfahrener Steuerberater verschiebt den Wortschatz und die Perspektive spürbar. Du bist ein hilfreicher Assistent bringt dagegen nichts, das ist die Voreinstellung.

Was bringen Beispiele im Prompt?

Sehr viel. Ein einziges Beispiel für das gewünschte Ergebnis wirkt oft stärker als drei Absätze Beschreibung. Zeigen schlägt beschreiben.

Warum bekomme ich bei gleichem Prompt unterschiedliche Ergebnisse?

Sprachmodelle arbeiten mit Zufallsanteil, damit die Antworten nicht mechanisch wirken. Je präziser dein Prompt, desto kleiner die Schwankung.

Was tun, wenn das Ergebnis nicht passt?

Nicht den ganzen Prompt neu schreiben, sondern gezielt nachbessern: sag konkret, was am Ergebnis nicht stimmt und was stattdessen sein soll. Das ist schneller und lehrt dich, was wirklich fehlte.